Das Thema Mindset ist eines der am meisten unterschätzten überhaupt. Es ist sozusagen der blinde Fleck der Persönlichkeit, weil wir oft zu tief drinnen stecken, um überhaupt über den Tellerrand blicken zu können.

Doch was bedeutet Mindset überhaupt? Mittlerweile hat es dieses Wort sogar schon mit 4 Definitionen in den Duden geschafft und wird mit Denkart, Gemüt oder Seelenlandschaft übersetzt. Viel interessanter ist allerdings die vierte Definition, nämlich Elitedenken.

Schon sind wir genau beim Thema dieses Artikels, denn schließlich interessiert uns ja, welchen Einfluss unsere innere Einstellung auf unseren persönlichen und beruflichen Erfolg hat. Ich kann eines vorwegnehmen, eine große Menge. Und wenn das sogar der Duden sagt, muss es ja stimmen. 🙂

Spaß beiseite. Die Art und Weise, wie du über die Welt und deine Mitmenschen denkst, bestimmt, wie deine Realität schlussendlich aussieht. Bist du der Meinung, dass 1867 Euro ein ausgezeichnetes Monatseinkommen ist, wirst du nie mehr verdienen. Glaubst du, dass du einen Studienabschluss brauchst, um erfolgreich zu sein, wird es auch so sein. Obendrein wirst du dich in Gegenwart von Akademikern immer unterlegen fühlen, sofern du selbst keiner bist.

Ich erspare dir an dieser Stelle die hunderten Beispiele von Menschen, die ohne Budget Milliardenkonzerne aus ihrer Garage aufgebaut oder mit gebrochenem Englisch in Hollywood Blockbuster geschafft haben. Stattdessen, du kennst mich, werde ich dir anhand von wissenschaftlichen Studien zeigen, dass es durchaus Sinn macht, nicht an alles zu glauben, was du momentan noch für wahr hältst.

Denn dein Mindset ist eigentlich gar nicht deines. Es ist eine Mischung aus den Werten und Glaubenssätzen, die du über dein ganzes Leben von deinen Eltern, Geschwistern, Freunden, Arbeitskollegen etc. mitbekommen hast. Das belegen unzählige Studien. Eine davon wurde in China durchgeführt und belegt, wie eklatant der Einfluss von Eltern auf die Berufserwartungen und späteren Karrieren ihrer Kinder ist [1].

Nicht umsonst ist die Wahrscheinlichkeit für Unternehmerkinder höher, selbst später Unternehmer zu werden, als für Kinder von Arbeitern. Dem nicht genug, Scheidungskinder haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich selbst später scheiden zu lassen [2]. Und wie sich unschwer vermuten lässt, ist auch die Chance für Akademikerkinder höher, später selbst Akademiker zu werden [3].

Unterm Strich bedeutet das, du wirst manipuliert. Nicht mit Absicht. Aber du bist umzingelt von Menschen, die dir einreden wollen, wie du am besten leben sollst. Das ist auch verständlich, wer würde schon zugeben, dass er nicht alles richtig gemacht hätte, und schließlich tut es auch gut zu sehen, dass andere denselben Weg einschlagen wie man selbst. Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid.

Warum Lucky Luke eine Raucher-entwöhnung machen musste

Eine witzige Geschichte, die den Einfluss von Medien auf unser Verhalten zeigt, spielte sich 1983 ab. Es war die Zeit, in der auch in Europa langsam das Gesundheitsbewusstsein im Bezug auf das Rauchen gestiegen ist, eine veränderte Gesetzeslage wie z. B. teilweises Rauchverbot an öffentlichen Plätzen, steigende Tabakpreise und das Verbot von Zigarettenwerbung sollte dies unterstützen.

Der belgische Comiczeichner Morris unterzog deshalb seinem berühmten Zeichentrick-Cowboy Lucky Luke einer Raucherentwöhnung, weshalb er ab dem Jahr 1983 nur noch mit Grashalm im Mund anstatt der üblichen Zigarette zu sehen war. Dafür wurde Morris sogar von der Weltgesundheitsorganisation 1988 ausgezeichnet.

Dass diese Auszeichnung durchaus gerechtfertigt war, bestätigt eine Untersuchung mit 100 Rauchern und Raucherinnen [4]. Der Hälfte davon wurde ein achtminütiger Film vorgespielt, in dem an manchen Stellen geraucht wurde. Die anderen 50 Personen sahen denselben Film ohne Raucherszenen. Das Ergebnis war beeindruckend, denn in einer kurzen Pause nach dem Film war der Prozentsatz der Personen, die die Pause zum Rauchen nutzten, in der ersten Gruppe um 50% höher als in Gruppe 2.

Anhand der oben genannten Beispiele und wissenschaftlichen Untersuchungen wollte ich dir aufzeigen, wie sehr wir von anderen Menschen und Medien, kurz gesagt unserem Umfeld, beeinflusst werden. Vieles von dem, was du heute für richtig und wahr hältst, sind Programmierungen von anderen, die es im besten Fall nur gut mit dir gemeint haben. Ganz wichtig für dich ist aber zu wissen, dass all das nicht deine Zukunft bestimmen muss. Denn wärst du in einem anderen Umfeld aufgewachsen oder würdest du woanders arbeiten, würdest du heute anders über die Welt denken.

Vielleicht wärst du dann reicher, vielleicht auch ärmer, vielleicht würdest du auf Bali wohnen, vielleicht in einem Schloss. Es ist auch vollkommen egal, denn schließlich willst du ja nicht von anderen abhängig sein und hoffen, dass du irgendwann mal die richtigen Impulse von außen bekommst, damit sich doch noch deine Träume erfüllen. Für dich ist nur eines wichtig:

“Dein Mindset bestimmt deine Realität. Du kannst es entweder selbst gestalten oder gestalten lassen. Letztere Variante ist bequemer. Aber Bequemlichkeit hat die wenigsten zum Erfolg geführt. Du allein entscheidest.”

Ich habe das Framechanger-Projekt ins Leben gerufen, weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir nicht ausgeliefert sind. Wir sind keine Opfer unseres eigenen Lebens, die auf Glück oder Zufall hoffen müssen, damit etwas Schönes passiert. Wir sind Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, hart dafür arbeiten, uns ständig entwickeln und uns zu Spitzenleistungen pushen. Und wie du heute damit anfangen kannst, zeige ich dir in diesem Artikel.

Der Unterschied, der den Unterschied macht

Weiter oben habe ich es bereits angekündigt, hier möchte ich es dir belegen. Ja, es gibt dieses eine Mindset, das den Unterschied ausmacht. Wir wissen mittlerweile, was die Denkweisen erfolgreicher Menschen sind. Die Psychologin Carol Dweck der Universität Stanford hat sich diesem Thema verschrieben und in ihrem Buch Mindset: The New Psychology of Success veröffentlicht.

Demnach unterscheidet sie zwischen zwei grundsätzlichen Denkeinstellungen, dem Fixed Mindset und dem Growth Mindset. Es geht hier vor allem darum, wie wir uns selbst, unsere Umwelt und unsere Zukunft wahrnehmen.

FIXED VS. GROWTH MINDSET

Das Fixed Mindset geht davon aus, dass vieles vorbestimmt und unveränderbar ist. Menschen mit diesem Mindset schätzen auch ihre Persönlichkeit als unveränderbar ein und fühlen sich oft machtlos. Schuld sind logischerweise immer die anderen, denn wären sie selbst schuld, könnten sie ja was ändern, und dann wären wir beim Growth Mindset.

Erfolg hängt sehr stark von den Voraussetzungen ab. Ist man nicht klug oder schön genug, ist es eben schwer. Erfolgreiche Menschen haben Glück, sie selbst immer Pech. Risiken einzugehen und Fehler zu machen wird vermieden, weil man oft ohnehin schon im Vorhinein weiß, dass es sowieso nicht klappen wird.

Aus diesem Grund entwickeln sie sich gar nicht oder nur sehr langsam weiter. Es zählt aber nicht, wo du gerade stehst, sondern nur, wo du morgen sein kannst.

Zwei Beispiele für ein Fixed Mindset:

Du gehst nicht ins Fitnessstudio, weil du dich nicht wohl in deinem Körper fühlst. Die anderen sind viel fitter, und so hilflos, wie du vor den Hanteln stehst, lachen doch eh alle nur.

Du willst deine Rhetorik verbessern, aber gehst nicht in Seminare oder Weiterbildungen, weil du schlechte Erfahrungen im Reden vor Gruppen gemacht hast und es dir peinlich ist. Die würden mich eh nicht ernst nehmen.

Die Antwort auf beide Szenarien ist sehr simpel. Jeder beginnt irgendwo. Es zählt nicht, wo du heute stehst, sondern welche Fortschritte du bis morgen machst. Niemand wird dich auslachen, weil du dich anstrengst, dich entwickeln und wachsen willst. Genau das macht nämlich Eindruck und nicht, wer den größten Bizeps hat oder die besten Reden hält. Und schon sind wir beim Growth Mindset angekommen.

Denn das bedeutet, dass du deinen momentanen Zustand nicht als in Stein gemeißelt ansiehst, sondern eben als Zustand, als Status quo. Es ist eben momentan so, und morgen wird es anders sein. Ständiges persönliches Wachstum motiviert dich.

Sind andere besser als du, freust du dich, denn genau hier liegt dein Lernpotenzial. Du nimmst Feedback an und bist selbstkritisch, nicht weil du dir nichts zutraust, sondern weil du besser werden willst. Du findest eine Lösung für auftretende Hindernisse, und selbst wenn du mal länger auf der selben Stelle trittst, weißt du ganz genau, dass du die richtige Antwort vielleicht noch nicht gefunden hast, aber sie irgendwann finden wirst.

Du weißt, dass dir das Glück nicht in die Hände fällt, sondern du hart dafür arbeiten musst. Du arbeitest härter als andere, nicht weil du schneller ans Ziel kommen willst, sondern weil alleine der Weg dorthin dich anspornt.

Typische Sätze, die dir bekannt vorkommen werden.

 

Fixed Mindset:

  • Das ist halt so
  • Ich bin nicht gut/intelligent genug dafür
  • Ich bin nicht hübsch genug
  • Dafür reicht meine Ausbildung nicht
  • Ich habe immer Pech im Leben
  • Ich bin eben so geboren worden
  • Manche habens einfach leichter
  • Mein Vater ist an allem schuld
  • Dieses Produkt funktioniert bei uns nicht
  • Das hab ich immer schon gesagt
  • Schon wieder ein Rückschlag, das macht doch keinen Sinn mehr
  • Ich bleib lieber daheim
  • Da brauch ich mich gar nicht anstrengen
  • Das schaff ich ohnehin nie

Growth Mindset:

  • Wir finden schon eine Lösung
  • Ich habe andere Qualitäten
  • Harte Anstrengung zahlt sich aus
  • Ich mache es trotzdem
  • Glück ist das Resultat von harter Arbeit
  • Jeder hat dieselben Voraussetzungen, also kann auch ich alles schaffen
  • Wie kann ich das von anderen lernen?
  • Ich habe mein Leben selbst in der Hand
  • Wir haben noch nicht den richtigen Ansatzpunkt gefunden
  • Endlich eine neue Herausforderung
  • Rückschläge bringen mich weiter
  • Gerade jetzt geben wir nochmal alles
  • Harte Arbeit zahlt sich auf jeden Fall aus
  • Wow. Wie hat sie das geschafft? Dann weiß ich jetzt, wie es geht

Carol Dweck hat unzählige Studien veröffentlicht [5], dass erfolgreiche Menschen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Growth Mindset ausgestattet sind. Und ich kann aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Ich glaube fest daran, dass Menschen, die ständig wachsen, sich in jedem Kontext einen Vorteil verschaffen können.

Dies liegt wahrscheinlich an zwei Ursachen. Zum einen wirst du dich innerlich stark fühlen, wenn du jeden Tag neue Dinge lernst, dich weiterentwickelst und wächst. Und das spürt auch dein Umfeld. Zum anderen gewinnst du aber auch Ansehen und Wertschätzung in deinem Umfeld, weil du plötzlich wirklich viel zu bieten hast.

Menschen, die wichtig sind, haben mehr Freiheiten. Bist du der/die Beste im Beruf, hast du einen besseren Verhandlungsspielraum bei deiner Chefin, bekommst vielleicht Urlaub genau dann, wann du ihn willst, und darfst auf Weiterbildungen fahren. Du hast eine höhere Stellung in der Firma und einen Vorteil gegenüber deiner Kollegen. Machst du nur das Notwendigste, werden auch andere nur das für dich tun, was unbedingt notwendig ist. Nur ein Beispiel von vielen. Das gilt in jedem Kontext.

WIE DU EIN GROWTH MINDSET AUF- UND AUSBAUST

Egal, ob du dich in der einen oder anderen Aussage im Growth oder Fixed Mindset wiedererkannt hast, egal, wo du dich selbst zuordnest. Du weißt, es ist egal, wo du stehst, es zählt nur, wo du morgen stehen wirst. Aus diesem Grund sind diese Übungen universell wertvoll. Und wenn du am Ende denkst, ich habe zwar ein Growth Mindset, aber die Übungen brauche ich nicht mehr, dann würde ich kurz reflektieren. 😉

Übung 1:

Gibt es etwas, was du schon lange lernen oder tun wolltest. Eine Sache, die dich schon seit längerem fasziniert und du dir nie die Zeit genommen hast?

Suche dir heute noch Menschen, die das bereits können, oder Möglichkeiten, um es zu lernen, und nimm Kontakt auf. Egal, ob du dich für einen Kurs anmeldest oder ein Buch lesen willst. Es ist nie der richtige Zeitpunkt, du wirst immer viel zu tun haben, und Zeit und Geld sind immer knapp. Also starte noch heute.

Mach dir einen konkreten Plan für deine ersten Schritte und schreibe deine ungefähren Meilensteine nieder. Ab heute geht es an die Umsetzung, ab heute startet das Wachstum.

Übung 2:

Diese Übung kann an die erste gekoppelt sein, muss sie aber nicht. Sie heißt:

“Lerne jeden Tag etwas Neues.”

Dein Ziel für die nächsten 30 Tage und eigentlich für den Rest deines Lebens sollte sein, jeden Tag eine neue Erkenntnis zu haben oder etwas zu lernen. Sei es ein neues Kochrezept oder ein neues Vokabel in einer Fremdsprache oder deiner Muttersprache. 😉

Es können kleine Dinge sein, aber auch große. Es kann mit deinem Ziel aus Übung 1 zu tun haben, muss es aber nicht. Es kann dich 2 Minuten pro Tag kosten oder mehrere Stunden. Ganz wie du willst. Dein Ziel ist erreicht, sobald du am Abend dir ehrlich beantworten kannst, warum du heute größer, stärker, intelligenter, besser etc. bist als gestern.

Übung 3:

Streiche den Satz “Ich kann das nicht” aus deinem Leben. Ersetze ihn stattdessen durch den Satz “Ich kann das noch nicht” oder “Ich werde das noch lernen”. Alternativ dazu kannst du dir auch Personen suchen, die das können, was du noch nicht kannst. Dann wird deine Lernkurve deutlich steiler sein.

Das war’s, ein kleiner Anstoß, warum dein Mindset deine wichtigste Ressource ist und warum Wachstum das übergeordnete Ziel sein sollte. Das war auch erst der Anfang. Du bekommst hier viele, viele Inhalte zum Thema Mindset, die dich zum Nachdenken und vor allem ins Handeln bringen sollen.

Bis bald und alles Liebe,

Mario

PS: Always challenge the Status quo.

[1] Liu, J.; McMahon, M.; Watson, M. (2015): Parental influence on mainland Chinese children’s career aspirations: child and parental perspectives. In: International Journal for Educational and Vocational Guidance. Vol 15, 2. S. 131−142.

[2] http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/18/scheidungskinder-risiko-trennung/seite-2

[3] https://www.welt.de/politik/deutschland/article165975301/Akademikerkinder-dominieren-mehr-denn-je-die-Universitaeten.html

[4] Shmueli, D.; Prochaska, J. & Glantz, S. A. (2010): Effect of smoking scenes in films on immediate smoking. American Journal of Preventive Medicine, Vol 38, 4. S. 351−358.

[5] Yeager, S. D.; Dweck, C. S. (2012): Mindsets That Promote Resilience: When Students Believe That Personal Characteristics Can Be Developed. In: Educational Psychologist Journal, Vol 47, 4. S. 302−314.

Bildquellen:

1: PixelsAway | depositphotos.com | ID: 10835277