Der perfekte Smalltalk

Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. Aber egal, was du über ihn denkst, du wirst mit Sicherheit nicht drumherum kommen, dich mit ihm näher zu beschäftigen.

Denn Smalltalk ist nicht nur die erste Phase eines gelungenen Gesprächs, sondern auch die wichtigste. Denn im Smalltalk wird der Rahmen für all das geschaffen, was später kommt.

In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, warum du unbedingt mehr Fokus auf den Smalltalk legen solltest, wie du den perfekten Smalltalk gestaltest und wie dir nie wieder die Worte ausgehen.

Das Warten auf den Säbelzahntiger

Hast du dich schon mal gefragt, wozu man Smalltalk überhaupt braucht. Immerhin wäre es ja viel einfacher, gleich zum Punkt zu kommen und nicht die Zeit mit wertlosem Geplänkel über das Wetter zu verschwenden.

Der Grund liegt wieder mal in der Psychologie. Zum einen brauchen wir immer etwas Zeit, um uns an die Gegebenheiten anzupassen, bevor wir voll konzentrationsfähig sind. Genauso wie sich Sportler vor dem Wettkampf aufwärmen, müssen auch wir uns in Gesprächen erst aufwärmen.

Denn in den ersten Minuten einer Begegnung findet ein ganz natürliches Abtasten statt. Mit unserer Umgebung und unserem Gegenüber. Erst, wenn wir uns ein erstes Bild von der neuen Situation gemacht haben und wir uns sicher fühlen, können wir unsere volle Aufmerksamkeit dem Inhalt des Gesagten widmen.

Das macht auch Sinn, denn Sicherheit ist eines unserer größten Bedürfnisse und sicherte uns über Millionen Jahre das Überleben. Hätten wir uns in der Steinzeit ohne nachzudenken in neue Situationen gestürzt, wären wir wohl kaum so weit gekommen.

Heute halten wir nicht mehr nach dem Säbelzahntiger Ausschau, der sich hinter der nächsten Ecke befinden könnte, sondern gehen dabei deutlich subtiler vor. Unser Hauptfokus liegt auf den sozialen Beziehungen.

Wir wollen wissen, ob unser Gegenüber uns wohlgesonnen ist, in welcher Emotion er oder sie sich gerade befindet, welche Themen erlaubt sind und welche man besser nicht anspricht, und vielleicht sogar, ob es gemeinsame Bekannte gibt.

Ist das geklärt und denken wir, den anderen etwas einschätzen zu können, ist der Weg frei für die wirklich wichtigen Dinge.

Dem Hasen beim Laufen zusehen

Aber nicht nur ein erstes Abtasten erfolgt in dieser Phase, sondern hier wird auch der Rahmen für das darauffolgende Gespräch gespannt. Denn der Smalltalk ist der perfekte Zeitpunkt, um dem Gegenüber zu zeigen, wo der Hase langläuft.

Begegnen wir uns im Smalltalk freundlich, mit Humor und in einer entspannten Atmosphäre, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch der Rest des Gesprächs ebenso ablaufen wird.

Findet der Smalltalk allerdings in einer sehr sterilen Atmosphäre, begleitet durch ein trockenes Gespräch, statt, so kann man sich vorstellen, wo das hinführen wird.

Hier liegt es allerdings an uns, was wir daraus machen wollen. Denn in der Regel hat der Gastgeber oder die Gastgeberin den Vorteil bei der Gestaltung des Rahmens. Lädst du also andere zu dir ein, egal ob im Beruf oder privat, sei dir bewusst, dass es im Ersten an dir liegt, wie das Gespräch ablaufen wird. Immerhin muss sich die andere Person nicht nur an dich, sondern auch das neue Umfeld gewöhnen, was schon etwas überfordernd sein kann.

Bist du in der Rolle des Gastes, dann kannst du aber natürlich auch noch Einfluss auf das Gespräch nehmen. Hierbei zählt vor allem deine eigene Stimmung, mit der du in das Gespräch gehst, und die Themen, die du dabei ansprichst. Eine sehr einfache Struktur, die dir bei der Themenfindung mit Sicherheit helfen wird, findest du im nächsten Absatz.

Die Adleraugen offen halten

Die Smalltalk-Profis nutzen die ersten Minuten aber vor allem zur Informationsgewinnung. Denn fälschlicherweise denken viele, der Smalltalk sei sinnloses Geschwätz. Weit gefehlt, denn im Smalltalk kann man allerhand über sein Gegenüber herausfinden. Man muss nur die Adleraugen offen halten.

Deshalb möchte ich dir im Folgenden eine kleine Struktur zur Informationsbeschaffung geben, die wieder aus dem NLP kommt und die ich für diesen Artikel etwas zweckentfremdet habe. Sie heißen Neurologische Ebenen und beschreiben im weitesten Sinne, wie Menschen lernen, wie sich Gedankenprozesse aufbauen und warum jeder Mensch so ist, wie er ist.

Die Ebenen werden oft als Pyramide mit folgender Reihenfolge, von unten nach oben, dargestellt:

  • Vision/Zugehörigkeit
  • Identität
  • Werte/Glaubenssätze
  • Fähigkeiten
  • Verhalten
  • Umwelt

Umwelt

Diese Ebene enthält alle äußeren Einflüsse, denen ein Mensch unterliegt. Jedes Ereignis findet in einer bestimmten Umwelt statt. Dies umfasst eine bestimmte Umgebung, einen zeitlichen und räumlichen Kontext, äußere Einflüssen und äußere Auslöser. Diese erfahren wir mit unseren Sinnen.

Verhalten

Diese Ebene organisiert unser gesamtes Verhalten, also unser konkretes Handeln, alle Aktionen und Reaktionen, die von außen wahrnehmbar sind. Dies schließt unser Tun, Handeln, unsere Worte, Stimmwahl, Gestik, Bewegungen, Motorik, Atmung ein. Auch dies erfahren wir mit unseren Sinnen.

Fähigkeiten

Auf dieser Ebene werden alle internen Reaktionen (welche uns gewisse Fähigkeiten oder Strategien für unser Verhalten liefern) organisiert. Darunter versteht man ein spezifisches inneres Verhalten, welches ein spezifisches äußeres (beobachtbares) Verhalten ermöglicht. Dies beinhaltet auch interne Repräsentationen wie innerer Dialog, VAKOG und Submodalitäten. Diese Informationen können wir nicht mehr ohne Hilfe der betreffenden Person erfahren.

Werte/Glaubenssätze

Werte und Glaubenssätze sind Überzeugungen und stellen Gründe und Grundlagen für unser Denken und Handeln (bewusst und unbewusst) dar. Sie bestimmen die Richtung unseres Denkens und repräsentieren auch Motivatoren. Wir setzen unsere Fähigkeiten nur dann ein, wenn die entsprechenden Werte und Glaubenssätze vorhanden sind. Diese entstehen durch Gewöhnung oder Prägung und können so auch verändert werden.

Identität

Diese Ebene beinhaltet das Selbstbild und die Vorstellungen, die ein Mensch von sich als gesamte Person in seinem Verhalten, seinen Fähigkeiten und Überzeugungen konstruiert. Sie beschreibt, wer wir glauben zu sein und was wir als unsere Mission ansehen.

Zugehörigkeit und Vision

Zugehörigkeit beinhaltet Vorstellungen, Gedanken und Glauben an etwas, das die eigene Person überschreitet. Dies beinhaltet auch Partnerschaft, Familie, Nation, Welt, Universum. Vision ist die Vorstellung, wer diese Person in Zukunft sein wird und was sie tut.

Auf dieser Ebene finden wir umfassende Visionen, den Sinn des Lebens, Lebensaufgaben etc. Sie gibt uns Sinn, Sicherheit und Verbundenheit und ist daher die machtvollste aller Ebenen.

Vereinfacht ausgedrückt bringe ich an dieser Stelle immer das Beispiel vom kleinen Max. Er ist gerade mal 3 Jahre alt, und Max weiß noch nicht, dass es so etwas wie Fußball gibt. Sein Vater aber ist begeisterter Fußballfan und beschließt schließlich, Max zum Fußballtraining mitzunehmen. Max´ Umwelt, in diesem Fall sein Vater, hat ihn also beeinflusst.

Klein Max findet gefallen am Fußballspielen und legt das Verhalten des Fußballspielens an den Tag, das macht er, wie gesagt, nur, weil er von der Umwelt beeinflusst wurde.

Je länger er dieses Verhalten an den Tag legt, desto mehr Fähigkeiten eignet er sich an, und schließlich entwickeln sich in ihm Werte wie Teamgeist, Siegeswillen etc.

Er formuliert Glaubenssätze wie „Fußball ist ein toller Sport“ oder „Ich bin Fußballspieler“ und entwickelt daraus einen Teil seiner Identität.

Schlussendlich bildet sich eine Vision, nämlich der größte Fußballer aller Zeiten zu werden, und das alles nur, weil sein Vater ihn irgendwann mal zum Fußballplatz mitgenommen hat.

Das eine beeinflusst das andere, und je mehr Informationen auf den unterschiedlichen Ebenen wir bekommen, desto mehr können wir uns ein Gesamtbild der Person bilden, mit der wir es zu tun haben.

Von vornherein sichtbar ist natürlich die Umwelt und das Verhalten der Person. Sie sind die ersten Anhaltspunkte, um eine Person einzuschätzen. Auch die Fähigkeiten kannst du beim Beobachten unter Umständen erkennen, natürlich ist das kontextabhängig.

 

Als grundsätzliche Regel gilt, je mehr du auf den höheren Ebenen über eine Person herausfindest, umso besser hast du es geschafft, eine gute Beziehung zu deinem Gegenüber aufzubauen. Immerhin würde dir nicht jeder auf der Straße seine Visionen oder Träume offenbaren. Wenn es allerdings dazu kommt, bist du auf einem guten Weg.

Für den normalen Smalltalk musst du allerdings gar nicht erst so weit denken, denn die Neurologischen Ebenen sind auch eine super Struktur, nach der du deine Gespräche einfach und sicher aufbaust.

Die Smalltalk-Treppe erklimmen

Aus diesem Grund möchte ich dir in diesem Abschnitt deinen absoluten Smalltalk-Masterplan mitgeben, gespickt mit Ideen und Fragen, die du beim Kennenlernen stellen kannst.

Beginnen wollen wir bei der Umwelt. Halte deshalb die Augen offen und beobachte vor allem am Weg zum Termin oder aber auch beim Ankommen das Umfeld nach spannenden Details. Vielleicht befindest du dich in einem interessanten Stadtteil. Oder aber das Büro ist mit liebevollen Details geschmückt.

All das kannst du nutzen, um locker ins Gespräch einzutauchen. Folgende Formulierungen können dir dabei helfen:

  • Sehr schöne Gegend, die Sie sich ausgesucht haben, wie kam es dazu?
  • Ich mag die Pflanzen auf Ihrem Schreibtisch, hatten Sie schon immer einen grünen Daumen?
  • Ich bin ganz beeindruckt von dem Getümmel der Menschenmassen da draußen auf der Straße. Ist hier immer so viel los?
  • Ich habe die Sportjacke bemerkt, die draußen in der Garderobe hängt. Welchen Sport machst du?
  • Ich mag dieses Lokal hier, es versprüht einen ganz besonderen Charme. Was gefällt dir hier am besten?
  • Vielen Dank für die Einladung, ich wurde draußen schon freundlich begrüßt und versorgt!
  • Schöne Bibliothek, ich nehme an, Sie lesen gerne?

Vergiss nicht, alles ist erlaubt. Die ersten Sätze dienen vor allem dazu, ins Gespräch zu kommen. Der Inhalt ist zweitrangig. Denn es gibt überall etwas Spannendes zu beobachten. Du musst nur die Augen offen halten.

Auf der Ebene des Verhaltens kannst du besonders gut entweder auf dein eigenes Verhalten, das deines Gegenübers oder vergangene Situationen eingehen. Hier wieder ein paar Beispiele.

  • Was machst du hier?
  • Gar nicht so einfach zu finden, Ihr Büro! Ich bin aus Versehen im 4. Stock gelandet!
  • Danke für die nette Einladung, ich habe mich sehr darüber gefreut!
  • Vielen Dank für das nette E-Mail von gestern. Es ist nicht selbstverständlich, so kurzfristig noch einen Termin zu bekommen!
  • Was machst du gerne in deiner Freizeit?
  • Was machen Sie, wenn Sie nicht im Büro sitzen?
  • Liest / kochst / … du gerne?

Hast du die Möglichkeit, die Fähigkeiten einer Person zu erkennen, würde ich auf jeden Fall darauf eingehen. Die Chance ist sehr groß, dass dein Gegenüber ihrerseits stolz darauf ist und viel Erfahrung auf dem Gebiet besitzt. Da ist ausreichend Gesprächsstoff vorhanden und du kannst vielleicht sogar noch etwas lernen.

  • Was verfolgst du mit großer Leidenschaft?
  • Du bist ein wirklich guter Tänzer! Wo hast du das gelernt?
  • Großartige Performance! Wie lange braucht man, um so was zu können?
  • Interessant, ich spiele selbst gerne Tennis …!
  • Du besitzt wirklich die Fähigkeit, zu begeistern, das wollte ich dir an dieser Stelle gerne sagen!
  • Du hast offenbar ein Gespür für Raumgestaltung. Hast du alles selbst eingerichtet?

Etwas subtiler wird es dann auf der nächsten Ebene, wenn es um Werte und Glaubenssätze geht. Diese kann man teilweise am Verhalten, teilweise auch an der Sprache erkennen. Auch hier gilt wieder: Du kannst entweder auf dein Gegenüber eingehen oder selbst von dir etwas preisgeben:

  • Was ist dir besonders wichtig, wenn du Beziehungen mit anderen Menschen eingehst?
  • Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht! Auch ich finde es unhöflich, wenn jemand andauernd zu spät kommt!
  • Wie denkst du über …?
  • Was bedeutet für dich …?
  • Was sind deine wichtigsten Werte im Leben?

Du merkst schon, dass man manche dieser Fragen erst stellen sollte, wenn das Gespräch etwas vorangeschritten ist. Wenn du sie aber erst mal stellst, wirst du viel über dein Gegenüber erfahren.

Mit Identität ist die Vielzahl an Persönlichkeitsfacetten gemeint, die jeder Mensch in sich trägt. Erkennen kann man sie immer dann, wenn Sätze mit „Ich bin …“ beginnen oder aber wenn erkennbar ist, dass etwas ein Teil von jemandem ist.

  • Was machst du beruflich? (Wird oft mit „Ich bin …“ beantwortet)
  • „Ich bin Polizist, Anwalt, Pilot, Verkäufer“ etc. – Was ist es, das dich an deinem Beruf besonders fasziniert?

Es gibt hier selten Standardformulierungen, die immer funktionieren. Ab dieser Ebene geht es sehr stark darum, mit Empathie auf das einzugehen, was dein Gegenüber dir anbietet.

Ebenso verhält es sich auf der Ebene der Vision oder Zugehörigkeit. Vergiss nicht, dass vor allem auf den oberen Ebenen die Dinge angesiedelt sind, durch die sich Menschen identifizieren. Folglich sind sie den Menschen auch besonders wichtig, und umgekehrt ist es eine große Ehre, wenn sie dich daran teilhaben lassen.

Mögliche Fragen sind:

  • Was sind deine Ziele?
  • Wo willst du damit hin?
  • Ich habe gesehen, dass du dich oft mit … umgibst. Was machst das für dich besonders?
  • Welche Visionen oder Träume hast du?
  • Mit wem fühlst du dich verbunden?
  • Wenn du dir eine Person aussuchen könntest, die du morgen kennenlernen kannst. Wer wäre es und warum wäre es genau diese Person?

Natürlich reicht es nicht einfach, nur Fragen zu stellen, sondern auch etwas von sich preiszugeben. Halte deshalb nach möglichen Anknüpfungspunkten Ausschau und erzähle auch mal von dir.

Fühlst du dich in Smalltalk-Situationen sehr unwohl, dann schreibe dir am besten ein paar Standardfragen zusammen, die du immer wieder einstreuen kannst, wenn dir nichts mehr einfällt.

Bist du schon ein Smalltalk-Profi, dann nutze ihn, um möglichst viel über dein Gegenüber herauszufinden.

Ich wünsche dir schöne und tiefgreifende Gespräche.

Alles Liebe,

Mario

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Weitere Quellen: http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Logische_Ebenen