Menschen sind Meister darin, andere in Schubladen zu stecken. Das sicherte uns jahrtausendelang unser Überleben, immerhin mussten wir wissen, wer Freund und Feind, gut und böse, vertrauenswürdig oder hinterhältig ist. Wir sind sogar so gut darin, dass wir das meist in sehr kurzer Zeit schaffen, nämlich unter 100 Millisekunden, wie Forscher an der Princeton University herausfanden [1].

Viel schlimmer ist jedoch, dass in derselben Studie herauskam, dass dieser erste Eindruck großteils bestehen bleibt, selbst wenn wir später mit der Person ein 30-minütiges Gespräch führen. Spätestens jetzt sollte klar sein, dass wir viel mehr Wert auf den ersten Eindruck legen sollten, denn ist die Schublade erst einmal geöffnet, kommt man nur mehr sehr schwer heraus.

Der erste Eindruck entsteht durch Wahrnehmung der Gesichtszüge, Körpersprache und Stimme, noch lange, bevor die Möglichkeit besteht, den Inhalt des Gesagten bewusst wahrzunehmen. Das bedeutet, dass es beim ersten Eindruck viel mehr um das Wie und weniger um das Was geht, das wir kommunizieren.

In diesem Artikel erzähle ich dir, wie du den perfekten ersten Eindruck hinlegst und worauf du dabei achten musst. Bereit? Dann folge mir in den nächsten Abschnitt.

Wie will ich wirken?

Die erste Frage, die du dir stellen solltest, ist, welchen Eindruck du überhaupt wecken willst. Immerhin gibt es ja nicht den einen perfekten ersten Eindruck, sondern unendlich viele. Es hängt also vor allem davon ab, was du ausdrücken willst.

Denn den ersten Eindruck kann man üben.

So macht es in einem Business-Kontext mit einem neuen Kunden vielleicht Sinn, seriös aufzutreten, oder freundlich, oder beides. Das ist eben abhängig vom Kontext. Das bedeutet auch, dass du je nach Kontext einen anderen Eindruck erwecken kannst, wenn du das möchtest.

Möchtest du beispielsweise einen freundlichen Eindruck erwecken, dann brauchst du dich im Grunde genommen nur fragen, was einen freundlichen Menschen für dich ausmacht. In der Regel sind es Dinge wie ein Lächeln auf den Lippen, lockerer Gang und eine etwas höhere Stimme. Sieh dir Videos von Menschen an, die genau diesem Typus entsprechen, und schau dir ein paar Kriterien ab, die diese Eigenschaft für dich ausmachen.

Erst nachdem du dir darüber Gedanken gemacht hast, würde ich die folgenden Regeln beachten, die ich dir im nächsten Abschnitt mitgebe. Es handelt sich dabei um die unterschiedlichen Ebenen, auf denen du beim ersten Eindruck Einfluss nehmen kannst, und einen psychologischen Effekt, den du dir unbedingt zunutze machen solltest.

Der Halo-Effekt

Ein psychologischer Effekt, der sehr stark mit dem ersten Eindruck zusammenhängt, ist der Halo-Effekt. Dieser leitet sich vom englischen Wort Halo (Heiligenschein) ab und bedeutet, dass wir Menschen aufgrund einer Eigenschaft oder Wahrnehmung andere Eigenschaften zuschreiben, die damit gar nichts zu tun haben. Eine typische kognitive Verzerrung.

Ein typisches Beispiel dafür ist, dass wir Menschen eher vertrauen, wenn sie einen weißen Kittel tragen. Dieser hat mit der Eigenschaft Vertrauen nicht das Geringste zu tun, dennoch verbinden wir es damit. Dasselbe gilt für Anzüge und Kostüme, Sportkleidung etc. Andere wiederum schreiben Menschen mit Brillen höhere Intelligenz zu. Das ist zwar absurd, aber so funktionieren wir nun mal.

Der Halo-Effekt wirkt in beide Richtungen, das bedeutet, du kannst dir durch richtiges Auftreten positive Eigenschaften verleihen, aber auch negative. Dann heißt er übrigens Devil-Effect (Teufelshörnereffekt).

Kleidung

Immer noch eines der wichtigsten Kriterien ist unsere Kleidung. Dieser Punkt wird zwar oftmals unterschätzt, jedoch ist Kleidung eines der ersten Kriterien, die dem Halo-Effekt unterliegen. Aus diesem Grund solltest du sehr genau darauf achten, wie du dich kleidest und im Zweifelsfall von außen Feedback einholen. Es gibt ja immer wieder die Menschen, die sagen, es sei egal, wie sie angezogen sind, immerhin seien sie ein cooler Typ und die anderen würden es schon merken. Das ist grundsätzlich richtig, und auch bin ein Fan davon, sich gegen soziale Normen zu stellen. Nur leider funktioniert eben Psychologie anders.

Klar kann man sich gegen jeden Rahmen lehnen, den es gibt, als Framechanger weiß man aber auch, bestehende Rahmen zu nutzen und kleinere Rahmen anzunehmen, um die größeren zu verändern. Und in diesem Fall rate ich dir wirklich, den Rahmen anzunehmen. Das macht dein Leben viel einfacher.

Kommen wir zum ersten Abschnitt zurück, nämlich der Frage, wie du wirken willst. Denn davon abhängig solltest du deine Kleidung wählen. Ich werde es mir an dieser Stelle ersparen, dir Modetipps zu geben, dafür gibt es andere Blogs. Ich möchte dich nur darauf hinweisen, dass du der Wirkung deiner Kleidung mehr Beachtung schenken solltest. Immerhin würde es dich bestimmt auch etwas unruhig machen, wenn deine Chirurgin vor der Blinddarm-OP dich in kurzen Shorts, Flip-Flops und Hawaiikette begrüßt.

Körperhaltung

Deine Körpersprache spielt die nächste wichtige Rolle beim ersten Eindruck. Vergiss nicht, dass auch sie dem Halo-Effekt unterliegt. Menschen, die mit beiden Beinen fest am Boden stehen, wirken sicherer. Du weißt bereits, dass das eine offenkundig nichts mit dem anderen zu tun hat.

Für die Körpersprache möchte ich dir ein Modell mitgeben, das wir in unseren NLP-Ausbildungen sehr gerne verwenden, nämlich den Körperstatus. Er ist recht simpel zu verstehen und dabei überaus effektiv. Er bedient sich einer einfachen Formel:

Status = Raum + Zeit

Das bedeutet, je mehr Raum du einnimmst und je mehr Zeit du dafür brauchst, desto höher ist dein Status. Oder kurz gesagt: Groß machen und langsam sprechen.

Die Benennung trügt jedoch den Schein, denn Hochstatus ist nicht besser als Tiefstatus, sondern für unterschiedliche Dinge zu gebrauchen.

Hochstatus 1

Hochstatus: Im Hochstatus steht eine gewisse Distanz im Vordergrund. Hierbei steht die Beziehung weniger im Fokus als der Respekt gegenüber dem anderen. Menschen, welche Hochstatus einnehmen, wirken auf andere in der Regel autoritär, kompetent, bestimmt, selbstbewusst und distanziert.

Sie bewegen sich langsamer, sind oftmals zurückgelehnt und nehmen viel Raum ein. Wenn sie stehen, nehmen sie viel Raum ein und stehen mit beiden Beinen fest am Boden. Sie lachen weniger und haben in der Regel einen ernsten Gesichtsausdruck.

Tiefstatus 1

Tiefstatus: Tiefstatusgesten werden oftmals unter Freunden oder Bekannten beobachtet. Hierbei steht die Beziehung im Vordergrund, und Sympathiegesten werden ausgetauscht.

Tiefstatus eignet sich vor allem, um schnell gute Verbindungen mit seinem Gegenüber aufzubauen, es besteht ein Interesse daran, einen sympathischen Eindruck zu vermitteln. Tiefstatus kann allerdings auch während Verhandlungssituationen oder Verkaufsgesprächen äußerst effizient eingesetzt werden.

Beim Tiefstatus nimmt man weniger Raum ein, lehnt sich öfter nach vorne oder macht sich kleiner. Stehend kann man das Gewicht auf ein Bein verlagern und sich mehr bewegen. Auch das Lächeln ist ein Indikator.

Hoch- und Tiefstatus sind nicht absolut, sondern relativ. Das bedeutet, es gibt viele Nuancen, mit denen man sich auf der Statusleiter entlang bewegen kann. So können Tiefstatusgesten, wie das Lächeln, mit einem festen Stand kombiniert werden, oder auch Hochstatusgesten, wie langsames Sprechen, mit einer lockeren Körperhaltung. Jede Variation wird etwas anderes im Gegenüber auslösen.

Status kann geübt werden, zuhause vorm Spiegel oder in Situationen, die dir nicht ganz so wichtig erscheinen. Du wirst sehen, dass abhängig von deinem ersten Eindruck die Menschen mit dir anders umgehen werden.

Stimme

Auch die Stimme ist ein wichtiger Faktor, der jedoch den anderen nachgestellt ist, weil oftmals die visuellen Reize vor den auditiven wahrgenommen werden. Dennoch kann die Stimme den visuellen Eindruck verstärken oder abschwächen bzw. diesem sogar entgegenwirken.

Die Stimme ist ein Faktor, der nur behutsam verändert werden sollte, weil die Tonlage oder Dialekt oftmals über lange Zeit antrainiert sind. Sie kann durch Stimmtrainings verbessert oder verändert werden. Zwei Tipps möchte ich dir dennoch mitgeben, die du unabhängig von deiner natürlichen Eigentonlage umsetzen kannst.

  1. Nutze die Sprechgeschwindigkeit aus dem Statusmodell. Langsames Sprechen macht dich autoritärer, schnelles Sprechen sympathischer. Je mehr Variabilität du auch durch Veränderung der Tonhöhen reinbringst, desto tiefer dein Status. Sehr monotones Sprechen hebt deinen Status, ist aber auch weniger mitreißend.
  2. Am Ende deiner Sätze versuche mit der Stimme nach unten zu gehen. Tue dies vor allem bei der Vorstellung und zu Beginn von Gesprächen. Denn geht die Stimme nach oben, wird aus der Aussage eine Frage. Immer wieder höre ich, wie Menschen sich selbst vorstellen und bei dem Satz “Mein Name ist …” am Ende nach oben gehen. Unbewusst stellst du damit deinen Namen infrage, das senkt deine Glaubwürdigkeit.

Diese einfachen Tipps sollten dir helfen, deinen ersten Eindruck ab heute zu verbessern. Erinnere dich an die drei Variablen Kleidung, Körpersprache und Stimme und denke an den Halo-Effekt. Dann wird der nächste Auftritt bestimmt Eindruck machen.

Alles Liebe,

Mario

[1] Willis, Janine; Todorov, Alexander (2006): First impressions: Making up your mind after 100 ms exposure to a face. In: Psychological Science. Vol 17, 7.  S. 592–598.

 

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